Evangelische Kirchengemeinde Durmersheim

Entstehung und Geschichte
(Auszug aus einer „Zwischenbilanz“ von Pfr. i.R. Hansjörg Schmid aus dem Jahr 1989)

„Am Anfang stand eine Erweckung.“

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Durmersheim - wie die gesamte Umgebung der südlichen Hardt – fast ganz katholisch. Desto mehr Aufsehen musste es erregen, als um diese Zeit katholische Bürger des bekannten Wallfahrtsortes - Handwerker und Landwirte - auf einmal sonntags morgens zwischen vier und fünf Uhr ihre Pferde anspannten, um pünktlich zur Predigt des badischen Erweckungspredigers Aloys Henhöfer (1789-1862) ins ungefähr 30 km weiter nördlich gelegene evangelische Spöck zu kommen. Nur wenige Jahre später traten diese durch eigene Bibellektüre und Henhöfers Gottesdienste „Erweckten“ in Rastatt zur evangelischen Kirche über, so dass ihre in kurzer Zeit stark gewachsene Gruppe schließlich die Rechte einer evangelischen Kirchengemeinde erhielt.
Völlig unangefochten konnten die „Neu-Evangelischen“ ihres Glaubens freilich nicht leben; gelegentlich wurden den als „Sektierer“ verdächtigten „Pietischte“ die Fenster eingeworfen. Die Vorgänge in Durmersheim müssen für derartiges Aufsehen gesorgt haben, dass die kleine Gemeinde bald von nah und fern ideelle und finanzielle Unterstützung für Bau und Unterhalt einer Kirche, einer „Kinderschule“ (!) und einer eigenen Volksschule (!!) – alles in ein und demselben Gebäude - erhielt. Sogar Christen in England waren unter den ersten Wohltätern der jungen Gemeinde.
Nachdem sie als Frucht der „Erweckung“ in wenigen Jahren auf über 120 Mitglieder angewachsen war, wuchs die Gemeinde in der Folgezeit zahlenmäßig nicht mehr wesentlich. Die kleine Herde hielt jedoch über viele Jahrzehnte hinweg treu zusammen. Wie lange das Erbe der Erweckungszeit lebendig blieb, ist aus dem großen zeitlichen Abstand von heute kaum mehr zu beurteilen.
Erst nach 1945 kommt es in der Gemeinde wieder zu bedeutenden Veränderungen. Zahlreiche Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten ziehen zu; die Kirchengemeinde muß zwischen Forchheim und Malsch zeitweilig fast zehn Predigtstellen einrichten. Angesichts der Fülle der wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Nachkriegsjahre reicht die Kraft des Pfarrers und seines Pfarrdiakons gerade für den sonntäglichen Gottesdienst und die allernötigsten „Amtshandlungen“ wie Taufe, Trauung und Beerdigung. Nur notdürftigste „Versorgung“ ist möglich, seelsorgerliche Betreuung personell kaum zu leisten.
In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgt eine weitere Zuzugswelle: Verhältnismäßig preiswertes Bauland lockt Facharbeiter und Angestellte in die damals entstehenden Neubaugebiete des Durmersheimer Nordens.
Nachdem man die alte evangelische Kirche, bei deren Einweihung Aloys Henhöfer noch selber die Festpredigt gehalten hatte, 1976 hatte schließen müssen, musste sich alles Gemeindeleben fast ein Jahrzehnt lang in einem einzigen Gemeindesaal und einem Nebenraum des Gemeindehauses in der Friedrichstraße 19 A (heute: Henhöfer-Haus) abspielen. Als nicht gerade förderlich für den Gemeindeaufbau erwies es sich, dass dieses Gemeindehaus (mit integriertem Pfarrhaus) eher im Süden des fast 4 km langen, inzwischen auf weit über 10.000  Einwohner angewachsenen Straßendorfes errichtet worden war, während die meisten neuzugezogenen Evangelischen sich im Norden Durmersheims angesiedelt hatten...
Seit September 1986 verfügt die Ev. Kirchengemeinde Durmersheim endlich über ein architektonisch sehr reizvolles Zentrum („Kreuzkirche“) mit Kirchsaal, Gemeinde- und Jugendräumen sowie einer gut ausgestatteten Küche. Als Bezeichnung für diesen Komplex in der Weißenburger Straße konnte sich bei einer Abstimmung durch die Gemeindeglieder der Name „Kreuzkirche“ gegenüber dem anderen Favoriten „Friedenskirche“ mit knapper Mehrheit durchsetzen...